04_Digitale Transformation_&_KI
Social Media könnte am besten mit der Systemtheorie analysiert werden. Die Systemtheorie ermöglicht es, die Verbindung zwischen menschlichem und technischem Handeln einheitlich zu beschreiben – also die Wechselwirkung zwischen menschlicher Performance und algorithmischer Sortierung.
Aber wie könnte das konkret aussehen?
Was ist das System?
Medien
Zusammenspiel von Mensch und Technik
Was sagt Luhmann über Medien?
Bearbeiten die Unwahrscheinlichkeit, dass Kommunikation vom Empfänger zum Adressaten gelangt
Früher: Nur Personen in Hörweite konnten gesprochenes Wort empfangen
Gefahr des Informationsverlustes oder der Informationsverdrehung bei mündlicher Weitergabe
Macht Kommunikation orts- und zeitunabhängig
Löst Zeit auf (Beispiel: Science-Fiction beschreibt Zukunft, die bei Lektüre bereits Vergangenheit sein kann)
Fixiert Botschaft zu bestimmtem Zeitpunkt
Verantwortlich für weitere Differenzierung der Gesellschaft
Ausgangspunkt für Evolution von Ideen (Verweis auf Stichwort "Semantik" - noch nachzugehen)
Unterschied zu vorheriger Schrift: Dient nicht der Aufbewahrung von Wissen, sondern der Erzeugung neuen Wissens
Funktion als Arbeitsgerät
Erhöht Möglichkeit der Ablehnung von Kommunikation:
Mehr Bücher verfügbar als lesbar
Leser kann aufhören, nur anlesen, eigene Kapitelreihenfolge wählen
Autor kann nicht davon ausgehen, dass komplette Kommunikation mitgemacht wird
Individuen nicht mehr beobachtbar
Autor schreibt für unsichtbares Publikum
Autor muss nachforschen, ob gesellschaftliches Interesse besteht
Zerfall der Einheit von Information und Mitteilung
Information: Selektion innerhalb der Kommunikation
Mitteilung: Art und Weise der Übermittlung (bei mündlicher Rede anpassbar an Publikum)
Technisierung/Digitalisierung trennt diese Einheit
Verkompliziert die Sache weiter
Unklar, wie eingegebene Information verarbeitet wird
Gegensatz zur Schrift: Alphabet ist eindeutig und für alle les- und schreibbar
Größere Diskrepanz zwischen aktueller und potenzieller Kommunikation
Potenzielle Kommunikation immer viel größer als aktuelle
Selektion nach dem, was gut kommuniziert werden kann
Kommunikation auf gute Aufnahme eingestellt (Gefahr der Ablehnung)
Nicht zur Wissensaufbewahrung, sondern zur Erzeugung neuen Wissens
Posts sollen etwas bewirken: Beeinflussung, Reaktion (Like, Kommentar, Nachdenken)
Begriff "Influencer" aus Social Media hervorgegangen
Individuen sind beobachtbar (nicht wie beim Buch)
Algorithmus beobachtet kontinuierlich alle Handlungen (Webseite, Cookies)
Jede Handlung wird als Information für Inhaltsauswahl gewertet
Wie beim Buch: Publikum nicht direkt sichtbar
Schreiben für generelles gesellschaftliches Interesse und angenommene Relevanz
Kennt alle Konsumentinnen der Social Media Posts
Weiß mehr als Nutzerinnen selbst
Kann Rückschlüsse ziehen, welche Inhalte relevant sind
Beeinflusst Selektion (welche Videos/Posts angezeigt werden)
Repräsentiert gesellschaftliche Relevanz
Algorithmus vs. traditionelle Lektoren:
Gemeinsamkeiten:
Lektoren in Verlagshäusern: Menschen und Gesellschaftsmitglieder, repräsentieren bestimmtes Milieu
Algorithmus: Von bestimmten Gesellschaftsgruppen entwickelte Technik, simuliert Gesellschaft
Beide repräsentieren Interessen bestimmter Gruppen
Unterschiede:
Algorithmus ist quantitativ aktiver und allumfassender als menschlich gesteuerte Vorgehen
Beeinflusst Millionen Interaktionen pro Minute
Selektiert Millionen/Milliarden von Medieninhalten
Eröffnet Auswahlmöglichkeiten für Nutzer, während gleichzeitig größter Teil potenzieller Möglichkeiten ausgeschlossen wird
Fazit:
For You Page zeigt nur winzigsten Bruchteil aller möglichen Auswahlmöglichkeiten
Kennt Publikum im Voraus, bzw. gibt vor es zu kennen
Algorithmus und Publikum:
Algorithmus kennt Publikum nicht im Voraus
Simuliert Kenntnis durch Datenanalyse
Entwickelt Zukunftsprognose aus Vergangenheitsdaten - Ein generelles Problem von künstlicher Intelligenz
Gibt Prognose als gegebene Realität aus
Philosophische Einordnung:
Verkörperung des Glaubens an Zahlen
Verkörperung der theoretischen Vernunft (Kant)
Verkörperung des teleologischen Technismus (Zuckerberg)
Verweis: Entsprechende Zettel im Zettelkasten vorhanden
Nicht mehr ausschließlich für gesellschaftliches Interesse schreiben
Schreiben für den Algorithmus
Algorithmus übernimmt Rolle des früheren Lektors
Vergleich: Autor schrieb nie ausschließlich für Publikum, sondern für Lektor (kannte Publikum besser)
Immer Weg über "Nadelöhr" eines Selektionsmechanismus (Verlag, Mitarbeiterinnen)
Keine völlig neue Entwicklung im Prinzip der Organisation von Verbreitungsmedien
Was ist die bisherige Schlussfolgerung?
Es geht mir vor allen Dingen um die Rolle des Algorithmus.
Es geht um eine Beschreibung des Algorithmus als um greifende Technik und als Ausdruck des Willens einer Gruppe. Beziehungsweise Gruppen.
Die Ingenieure, die für das funktionieren des Algorithmus sorgen
Die Gruppe derjenigen, den die Unternehmen gehören.
Beiden geht es um Beherrschung.
Der Ingenieuren um eine Beherrschung der Technik
Den Besitzenden um eine Beherrschung des Marktes. Dieser Punkt ist zweifelhaft. Feudalkapitalismus lesen.
Was wäre das Ziel einer solchen Analyse?
Was ist das Ziel einer systemtheoretischen Analyse überhaupt?